Heute bin ich noch hier

Als ich noch ein kleines Kind war ueberkam mich oft eine immense Angst. In meinem Leben gab es nie einen Gott, keine Allseele, keine Heimkehr zu einem anderen Leben und kein Sein nach dem Tod. Also lag ich wach und sah Nichts vor mir. Das Nichts ist weder schwarz noch weiss, es ist farblos und leer. Und wenn ich ans Nichts dachte spuerte ich wie es an mir zog und an allem um mich her. Es zog auch an dir. Dabei wollte ich vor allem dich nicht ans Nichts verlieren. Es gab Wochen in denen ich beinahe jede Nacht zu dir gekommen bin und du hast mich immer in die Arme genommen und gesagt: Beruhig dich, ich bin ja da. Es hat Zeit gebraucht bis ich meine Angst ueberwinden konnte. Irgendwann realisierte ich dass das Nichts insofern es tatsaechlich unser Schicksal ist auch seine schoenen und beruhigenden Seiten hat. In Nichts ist kein Schmerz, keine Erinnerung, keine Sehnsucht. Sobald es ueber uns kommt sind wir auf paradoxe Art und Weise erloest. In meinen Augen bist du jetzt erloest und ich werde dieselbe Erloesung erfahren. Ich muss nur ein paar Jahre warten. Vielleicht 60 vielleicht 80 und dann bin ich wieder bei dir. Heute bin ich noch hier und ich vermisse dich aber wir werden wieder eins sein sobald ich zu dir komme. 

8.2.14 17:35, kommentieren

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Morgen ist dein Geburtstag

Am Tag an dem du starbst geschah vieles. Nur wenige Stunden vor deinem Tod sagte ich I., dass ich wirklich gluecklich bin und dass uns die Welt offen steht. Es war der erste Tag des 3ten Jahres meines Auslandsstudiums und ich habe eine Erhoehung meines Stipendiums bekommen. Ich wollte dir mit dem extra Geld einen Flug zu mir zahlen, den du dir nicht leisten wolltest weil es deiner kleinen Schwester H. zu teuer erschien. Es ist nicht nur das 3te sondern auch das letzte Jahr meines Auslandsstudiums. Sobald ich meinen Doktor bekommen wuerde, wollte ich zu dir nach Hause kommen. Einen Monat vorher haben wir I's und meinen Geburtstag gefeiert und du hast mir in meine Geburtstagskarte geschrieben, dass du dir wuenscht, dass dein Wissenschaftler sich eine Arbeitsstelle in heimischen Gefilden sucht. Ich weiss du hast mich vermisst und ich dich auch. Ich wollte so sehr zu dir zurueck, aber ich habs dir nie direkt gesagt, damit deine Freude groesser ist sobald ich nach Hause komme. Aber dass ist jetzt nicht mehr wichtig. Du bist tod und ich weiss nicht ob ich mein Geburtsland je wieder als meine Heimat ansehen werde. Morgen ist dein Geburtstag. Mir ist erst jetzt wirklich bewusst wie bescheiden du immer warst und wie wenig du im Mittelpunkt stehen wolltest. Du hast immer gemeint wir sollen uns nicht nur melden und uns mehr um dich bemuehen nur weil der Kalender behauptet es sei ein besonderer Tag. Du hast gemeint wir sollten uns ohne Vorwand melden und dich wenn wir wollten im Alltag mit Kleinigkeiten ueberraschen. Mein Leben lang war ich beeindruckt von deiner Staerke und deinem scheinbar unerschoepflichen Wissen. Ich wollte noch soviel von dir lernen. Ich haette deinen Worten und deiner wunderschoenen Stimme fuer immer lauschen koennen. Es gibt einige Dinge die ich bereue in meinem Leben aber ich bin so froh, dass ich immer wusste wieviel ich an dir habe und dass I. und ich dir immer versucht  gezeigt haben wie sehr wir dich lieben. Sogar in solchem Ausmass, dass du uns fuer albern hieltst. Morgen wollen I. und ich Sterne schauen gehen. Die Sterne haben mich seit ich zurueck denken immer beruhigt, fast so wie in deinen Armen zu liegen. Alles Gute zum Geburtstag Mama. Ich liebe dich.        

21.1.14 20:43, kommentieren